Der Künstler Franz Markau
Ein Farbenkünstler mit dem Signum der fleißigen Hand
Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden
Hohenfeldener Blätter
Zur Sonderaustellung Franz Markau Galerie im Pfarrhaus
Prof. Dr. Ruth Menzel
 
Was können Maleraugen in der Gegend um Hohenfelden Reizvolles entdecken? Die Antwort dürfte leichtfallen. Zu entdecken gibt es überall Sehenswertes, es kommt nur darauf an, was der einzelne als reizvoll ansieht und empfindet.
 
Wie Sie auch entscheiden mögen: Franz Markau jedenfalls fand die liebliche, breitgelagerte Talebene mit den sanften Hügelketten ringsum malenswert genug, um hier ein Domizil zu gründen. Am Riechheimer Berg ließ er ein Waldhaus errichten, und in den Mußestunden zog es den gelehrten Professor der Kunstgewerbeschule Erfurt hinauf an den Abhang, der einen freien Blick weit ins Land eröffnet. Im Kreise der Familie und Freunde oder in stiller Zweisamkeit ließ es sich Atem schöpfen für die anstrengenden beruflichen Pflichten.
 
Markau malte hier in den umliegenden Ortschaften und Freiräumen die konträren Stimmungen der Jahres- und Tageszeiten, die besondere Färbung der Kalkstein-Vegetation und eigenartige Atmosphäre junger Mischwälder. Im übrigen entstanden Stilleben, Interieurs und Szenen bäuerlicher Feldarbeit. Unablässig faszinierte ihn, seine emotionalen Erlebnisse mit den Mitteln lichtdurchfluteter Farben, Licht-Schatten-Flächen und linearen Strukturen ins Bild zu setzen und momentane Impressionen, durch das Kalkül gefiltert, zu ausgewogenen Kompositionen zu fügen.
 
In seiner gestrengen Berliner Ausbildung und den Jahren praktischer Erfahrungen als Wandmaler hatte er sich zu einer disziplinierten Sehweise von Körper-Raum-Beziehungen, zu einem ausgewogen flächenhaften Malstil durchgerungen, der hier, im Riechheimer Refugium, eine spontane und gelockerte Variante erlebte. Am Ort seiner Lehrtätigkeit trieb es ihn unzählige Male dazu, kulturhistorisch bedeutsame Stätten wie Dom und Severi, die Krämerbrücke, Gassen und Plätze der Altstadt zu porträtieren. In den 19 Jahren dieses Großstadt-Aufenthaltes erreichte er damit, in Fortsetzung der jahrhundertelangen Tradition seiner Vorgänger, den Rang eines Chronisten.
 
Die Kontraste zwischen der historienreichen Metropole Erfurt und den Naturlandschaften um den Riechheimer Berg mögen ihm einen anregenden Wechsel bedeutet und den Blick für das jeweils Spezifische geschärft haben. Frühe und späte Reisen ins Ausland, nach Italien und Mazedonien, nach Tirol und in die baltischen Länder beeinflussten die Aufnahmebereitschaft für das besondere Flair und Kolorit der engeren Heimat. Aber letztlich fand Markau, bei allen Kontrasten das ihm Gemäße heraus.
 
Ob er für die Gegend eine besondere Anhänglichkeit aufbrachte, entzieht sich der Kenntnis. Schriftliches hat er darüber nicht hinterlassen. So viel aber ist sicher, dass dieser idyllisch gelegene Ort in den 70 Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit einen besonderen Stellenwert einnahm.
 
Als Franz Markau seit 1945 freischaffender Arbeit nachging und seinen Wohnort nach Weimar verlegte, blieb ihm der „Katzbuckel" Zuflucht der Entspannung und Gestaltung. Wenn in der Kleinen Galerie des Hohenfelder Freilichtmuseums 1991 des 1881 Geborenen gedacht wird, so geschieht das - im direkten Wortsinne - aus naheliegenden Gründen. Der Künstler machte die Gegend kunstwürdig. Durch ihn gelangte sie in Kunstkennerkreise, in Ausstellungen und Kataloge. Werben brauchte er aber weder für das Sujet noch für seine Bilder. In die weitverbreitete Heimatmalerei hat er sich nicht eingereiht. Nostalgische Sentimentalitäten waren ihm fremd. Wie die Franzosen in Barbizon bei Paris und die Künstler der Weimarer Malerschule im Webicht, hat Markau im Umkreis von Hohenfelden die Arbeit unter freiem Himmel kultiviert und zu poetischen Aussagen gefunden. Stille Bilder entstanden, stillebenhafte Darstellungen von intimem Charakter. Alltägliches und Selbstverständliches betrachtete er nicht geringschätzig, denn er hatte zu sehen gelernt und war neugierig genug, im Geringen das Besondere zu erkennen. Einer seiner namhaftesten Schüler, der Erfurter Otto Knöpfer, folgte diesen Auffassungen.
 
 
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