Der Künstler Franz Markau
Ein Farbenkünstler mit dem Signum der fleißigen Hand
Kunstgewerbeschule Erfurt
Programm und Wirkung
Klasse Angewandte Malerei
 
Fachzeitschriften wie „Deutsche Kunst und Dekoration" inserierten 1925 eine Ausschreibung für die Leiterstelle der „Fachklasse dekorative Malerei". Bewerber, so hieß es, konnten sich bis zum 31. Januar 1926 melden. Aufgrund bester Voraussetzungen erhielt Franz Markau am 1. Mai 1926 seine Bestätigung. Bald schon führte der damals 45-jährige Fachlehrer zeitgemäße Lehrmethoden ein.
 
Fachzeitschriften wie „Deutsche Kunst und Dekoration" inserierten 1925 eine Ausschreibung für die Leiterstelle der „Fachklasse dekorative Malerei". Bewerber, so hieß es, konnten sich bis zum 31. Januar 1926 melden. Aufgrund bester Voraussetzungen erhielt Franz Markau am 1. Mai 1926 seine Bestätigung. Bald schon führte der damals 45-jährige Fachlehrer zeitgemäße Lehrmethoden ein.
 
1881 in Berlin geboren, hatte er zwischen 1896 und 1911 in seiner Geburtsstadt an der Staatlichen Kunstschule und der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums in der Klasse für Raummalerei bei Prof. Bruno Paul eine grundlegende Ausbildung genossen, kurz vor und nach dem 1. Weltkrieg im Kreis um Bruno Taut am Versuch einer „farbigen Volksarchitektur" mitgearbeitet und zwischen 1924 und 1926 als nebenamtlicher Leiter der Entwurfs- und Fachklasse für Dekorationsmalerei an der Städtischen Berliner Handwerker- und Kunstgewerbeschule gewirkt. Damit gehörte Markau zu den am gründlichsten ausgebildeten Lehrern Am Hügel.
 
Seine reichen Erfahrungen zahlten sich aus. Absolventen wie Erich Rommel, Willi Hellmuth und Otto Knöpfer bestätigten im Gespräch mit den Verfassern, daß sie eine strenge handwerkliche Lehre erfuhren und sichere Kenntnisse z. B. in der Fresko- und Seccotechnik, im Sgraffito, in der Enkaustik und der Hinterglasmalerei erwarben. Kammzug-, Modler-, Wisch- und Spritztechniken wurden gelehrt, aber viel nachhaltiger wirkte, daß Markau mit seinen Schülern eine intensive Sehschulung und Übungen gesamträumlicher Flächenaufteilung betrieb.
 
So wurden Wanddekore in den Entwürfen bewußt auf die Möblierung des Raumes bezogen, d.h. jedes Möbel in Form und Farbe milder Wandfläche bis hoch zur Decke optisch vernetzt. Jedes Detail hatte sich der Wirkung des Gesamtraumes unterzuordnen. Wände faßte man auf als dienende Kulisse für agierende Bewohner, für Bilder und Pflanzen. Dementsprechend galt der flächigen Gestaltung, nicht der Tiefenraum vortäuschenden Illusionsmalerei der Vorzug. Unter Markaus Leitung entstanden geometrische Dekore mit streng zueinander geordneten Tonabstufungen Hell-Dunkel und Farbe. Diese korrespondierten mit kurvig bewegten, linearen oder flächigen Körpern. Stilistisch äußerte sich hier der Einfluss der Neuen Sachlichkeit.
 
Nicht selten wurden ganze Flächen mit einem einzigen Farbton, meist strahlend intensiv, transparent oder dicht versehen. Farbe und Licht gingen dabei eine Einheit ein. Man bediente sich einer lichtdurchfluteten Farbe und entwickelte einen formbestimmenden Rhythmus. Bauhausintentionen waren Markau nach eigenen Aussagen zu abstrakt und seelenlos. Anläßlich einer Ausstellung schrieb ein Rezensent 1927 über ihn, er sei ein Spezialist in Farbtonwerten und „scheue die frohe, dekorative Buntheit nicht. "
 
Markau schulte die bildhafte Phantasie und Sensibilität für Raum, Farbe und Rhythmus. Als leidenschaftlicher Vertreter der anthroposophischen Lehre von Rudolf Steiner brachte er seinen Schülern Prinzipien nahe, die er in seinen eigenen Wand- und Tafelbildern konsequent berücksichtigte. Entmaterialisierung und Vergeistigung strebte er an. Abbild sollte sich zum Sinnbild formen, Sinnliches zum Übersinnlichen, das in der Natur Geschaute nach anthroposophischem Programm eine neue Regelung eingehen. Transparenz und farbiges Licht galten ihm als unverzichtbare Gestaltungsmittel, Symbolträger von Ideen, als Medium der Verklärung und theosophischen Mystifikation. Als Lehrender empfand er den Zusammenklang von Menschenbildung und Kunstverständnis. Lebenszusammenhänge wollte er verdeutlichen, vom Erleben der Natur zum Erfassen des Menschenwesens gelangen. Dabei galten ihm Farbe und Licht als wesentliche Medien, um innere Kräfte von Mensch und Natur sichtbar zu machen.
 
Markaus Vorgänger im Amte hatten die Wege bereitet, auf denen er neue Methoden entfalten konnte. Ernst Ruser wirkte von 1898 bis 1924, Friedrich Saß 1900 bis 1925, Karl Lürtzing 1902 bis 1911 und Carl Heine von 1912 bis 1925. Die Frühphase der Ausbildung berücksichtigte Freihandzeichnen, Figuren- und Naturzeichnen sowie Dekorations- und Ornamentzeichnen. Ernst Ruser ließ seine Schüler um 1900 noch in Leim- und Temperafarben zuerst Grau in Grau, darauf in Farbe Übungen exerzieren. Studienprogrammen zufolge war er 1909/10 für ornamentales Pflanzenzeichnen, Wand- und Deckenmalerei und Abstimmen von Räumen verantwortlich.
 
Auch diese genannten Fachleute, deren Lehrtätigkeit vordem Beginn wirksamer Reformen des neuen Direktors J. Ballin lag, hatten eine solide Ausbildung genossen. Diese war jedoch stärker auf Tafelbild und Grafik orientiert. Ihr Unterricht konzentrierte sich dementsprechend noch auf die zeichnerische Entwurfsarbeit und eine maltechnische Unterweisung alten Stils. Praktische Erprobungen an der Wand und eine systematische Formenlehre, vor allem die Ausbildung nach verbindlichen Rahmenplänen begannen erst mit dem speziell dafür geeigneten Franz Markau. Seine Klasse lag im obersten Stockwerk. Im Treppenflur und an den Außenfassaden befanden sich, im ständigen Wechsel und zur allgemeinen Anregung, besonders gelungene Leistungen in den gerade erprobten Techniken. Darüber hinaus fertigten Lehrer und Schüler gemeinsam Decken- und Wandgestaltungen an Erfurter Gebäuden, deren Spuren allerdings längst verlöscht sind bis auf ein Beispiel. An einem Wohnhaus in der Erfurter Goethestr. 4 brachte Markau 1927 eine teils figürliche, teils florale Kratzputzarbeit an, die trotz gravierender Beschädigungen Vorstellungen über damaliges Können zu wecken vermag.
 
 
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